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Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte e.V.

Nachrichten-Archiv 2001
Ausgewählte Informationen aus dem Studenten-Kurier

Brandenburgia suspendiert
Die einzige schlagende Verbindung in den USA, das Corps Brandenburgia Berlin zu Cleveland, hat nach dem Tod seines Gründungsburschen Wilhelm von Uhlenhorst-Ziechmann suspendieren müssen. Der Deutschamerikaner Wilhelm von Ulenhorst, geboren am 5. November 1921 und verstorben am 6. Juli 2001, hatte mit anderen amerikanischen Gaststudenten am 17. Juli 1937 in Berlin das Corps Brandenburgia gegründet und bald nach Cleveland transferiert. Dort, in seinem Privathaus, war bis zuletzt auch das Corpsheim. Nun leben nur noch wenige über die Welt verstreute Brandenburger, Aktive hat das Corps nicht mehr.

Programm "Sicherung der Corps"
Die Kösener und Weinheimer Corps thematisieren offen ein Problem, das alle Korporationen haben: Die Zahl der Füchse, die jedes Jahr aktiv werden, reicht nicht aus, um das Überleben aller Corps zu sichern. Deshalb haben der Verband Alter Corpsstudenten und der Weinheimer Verband Alter Corpsstudenten ein Projekt "Sicherung der Corps" ins Leben gerufen. Durch systematische Kontaktpflege zu Oberstufenschülern und Schülerverbindungen soll der Nachwuchs gestärkt werden. - Im Kösener Senioren-Convents-Verband hat der Vorort Marburg mit Frank Meißner Makariae, Guestphaliae et Suevoborussiae die Geschäfte vom Vorort Leoben übernommen. Die Marburger Corps grenzten sich in einer öffentlichen Erklärung von "rechtsextremen Burschenschaften" ab.

Kießel wiedergewählt
Dr. Walther Benno Kießel (Corps Franconia München) bleibt Vorsitzender des Convents Deutscher Akademikerverbände (CDA). Im zweiten Wahlgang setzte er sich im November gegen Joachim Schön (Landsmannschaften Brandenburg Berlin und Paleomarchia Halle) durch. Damit leitet weiter ein Corpsstudent den CDA, dem die corpsstudentischen Verbände nicht mehr angehören.

KV beruft Seelsorgeteam
Der KV-Rat hat ein Team von Seelsorgern berufen, um das Religionsprinzip des Verbandes lebendig zu erhalten. Ihm gehören 14 Geistliche an, die zugleich KV-Mitglieder sind, darunter der bekannte Moraltheologe Eberhard Schockenhoff und GDS-Mitglied P. Robert Jauch OFM.

Schweiz: Nur 24 korporierte Parlamentarier
Wie im Deutschen Bundestag, so geht auch im Schweizer Parlament die Quote der korporierten Mitglieder zurück. Nach einer Zählung der "Studentica Helvetica" (34/2001) haben National- und Ständerat in dieser Legislaturperiode (1999-2003) nur noch 24 von insgesamt 246 Mitgliedern, die einer farbentragenden Verbindung angehören. Vor zehn Jahren waren es noch 60. 18 der 24 korporierten Räte gehören dem katholischen StV an, von ihnen sind 15 in der Christlichen Volkspartei. Drei Altzofinger sind FDP-Parlamentarier. Kein einziges Mitglied einer schlagenden Verbindung sitzt im Schweizer Parlament.

Junge "Älteste" in der DS
Die deutsche Sängerschaft hat drei Alte Herren mit dem Ehrentitel "Ältester" ausgezeichnet. In Studentenhistoriker-Kreisen besonders bekannt ist Werner Grütter, seit 1988 Beauftragter für musische Fragen und als Experte für das studentische Liedgut angesehen. Er ist zudem Gründer der Sängerschaft Hohentübingen und hat den Wiederaufbau der Sängerschaften Holsatia Hamburg und Fridericiana Halle entscheidend vorangetrieben. Beruflich ist Oberstudiendirektor Werner Grütter als Autor und Mitherausgeber des vielen Schülern bekannten Geschichts-Lehrwerks "Zeiten und Menschen" hervorgetreten. Ausgezeichnet wurden zudem Rolf Soller (Franconia Hannover) und Wolfgang Beuchelt (Markomannia Brünn zu Karlsruhe), die beide in ihren örtlichen Vereinigungen Alter Sängerschafter hervorgetreten sind.

CV mit 30.000 Mitgliedern
Genau 30.343 Mitglieder zählte der deutsche CV am 2. Mai 2001 - Redaktionsschluß des neuen CV-Gesamtverzeichnisses. Davon sind 228 Ehrenmitglieder, 26.009 Philister und 4.106 Studierende. Weitere 147 Mitglieder - neun Ehrenmitglieder, 93 Philister, 45 Studierende - gehören den drei befreundeten Verbindungen des CV im Ausland (Lovania Löwen, Robert Schumann Argentorata Straßburg, Edo-Rhenania Tokio) an.
Der Mitgliederbestand ist rückläufig. Dabei verrät die nur leicht schwankende Gesamtzahl nicht das eigentliche Problem - denn in dieser Gesamtzahl sind die in den "starken" 50er und 60er Jahren beigetretenen Mitglieder enthalten. Damals hatte der CV zwischen 9.000 und 10.000 Studierende; Ende der 70er Jahre nahm der Nachwuchs ab, und diese Tendenz hält an. 1995 waren unter den 31.499 CVern 5.267 Studierende. Zum 1. Januar 2000 hatte der CV 30.609 Mitglieder, davon 4.540 Studierende, und jetzt sind es nochmals rund 400 Studierende weniger.
Der CV hat 122 aktive Verbindungen. Die jüngste ist die AV Norbertina Magdeburg (gegr. 1994). Das neue Gesamtverzeichnis, das nur für Mitglieder zugänglich ist, enthält erstmals auch E-Mail-Adressen.

CV-Wertekommission für Aufnahme von Frauen
Mit einiger Verspätung ist der Bericht der Werte- und Strukturkommission des deutschen CV verbreitet worden. Eigentlich sollte er schon auf der letzten Cartellversammlung an Fronleichnam in Regensburg behandelt werden, lag aber erst in den Sommerferien vor. Die Essenz des Berichts ist in insgesamt 51 Empfehlungen enthalten, die von grundsätzlichen Fragen wie der Aufnahme von Frauen und Nichtkatholiken bis hin zu Werbemaßnahmen wie der Produktion eines Kinotrailers (Nr. 32) oder zur Gründung eines CV-Orchesters (Nr. 44) reichen. Die ersten fünf Empfehlungen lauten: Empfehlung 1: Aufnahme von Frauen - Empfehlung 2: Aufnahme von nicht katholischen Christen - Empfehlung 3: Aufnahme von Ausländern erweitern (Stichwort Europa) - Empfehlung 4: CV bleibt beim Katholizitäts-Prinzip, schafft aber den Verbindungen vor Ort durch eine Experimentier-Klausel die Möglichkeit, Frauen und / oder nichtkatholische Christen als vollwertige Mitglieder auszunehmen - Empfehlung 5: Übernahme des Schweizer "Modells", wonach der Schweizerische Studentenverein StV den Einzelverbindungen die Wahlfreiheit zur Aufnahme von Frauen läßt.

Waffenstudenten in St. Gallen
Das geschieht nicht alle Tage: Im Jahr 2001 wurde in St. Gallen eine waffenstudentische Verbindung gegründet. Die verbandsfreien "Falkenburger" nehmen sich die Freiburger "Rodensteiner" zum Vorbild; die schlagenden Verbände Helvetia und SAT hatten auf eine Gründung in St. Gallen bislang verzichtet (Quelle: Studentica Helvetica 33).

Corps bieten "Noteingang"
Auch Berliner Corpshäuser beteiligen sich an der "Aktion Noteingang". Ein orangefarbener, mehrsprachiger Aufkleber signalisiert: "Wir bieten Schutz vor rassistischen Übergriffen". Die Aktion wurde von Jugendlichen aus Bernau bei Berlin gegründet (http://www.noteingang.de).

 

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